Stressreaktionen im Nervensystem: Wie jeder Zustand zu charakteristische Reaktionen führt

Stressreaktionen im Nervensystem

geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Stressreaktionen im Nervensystem sind gefühlt immer persönlich, aber sie sind immer auch eingebettet in ein Umfeld, das darauf reagiert und umgekehrt.

Die komplexe Dynamik von Stressreaktionen betrifft nicht nur das Individuum, sondern beeinflusst auch sein Umfeld, das mitwirkt und einwirkt.

Die individuellen Stressreaktionen sind vielschichtig und reichen von der Suche nach Bindung bis hin zur Flucht, dem Kampf oder dem Erstarren.

Jedes Mitglied innerhalb dieses Systems wird auf die Stressreaktion eines Einzelnen beeinflusst und reagiert darauf in einer Weise, die oft von den üblichen Abwehrmechanismen geprägt ist. Diese Reaktionen können von Mitleid und Aktionismus bis hin zu Flucht oder sogar zur emotionalen Taubheit reichen.

Doch während einige dieser Reaktionen scheinbar unterstützend wirken, verstärken viele von ihnen tatsächlich die Stressdynamik im System, indem sie Heilung und Verarbeitung erschweren oder sogar verhindern. In diesem Blogartikel werde ich mich genauer mit den verschiedenen Reaktionen und ihrer Einbettung in den verschiedenen Nervensystemzuständen befassen.

Schutzreaktionen im Nervensystem

Unser Nervensystem ist darauf spezialisiert, unser Überleben zu sichern. Erkennt es Gefahr, schalten sich verschiedene Zweige unseres Nervensystems autonom ein, um unser Überleben zu sichern. Dies geschieht «automatisch und ohne Bewusstsein», und ist geprägt von Erfahrungen in unserer Biografie.

Erkennt unsere Neurozeption (unser Gefahrenradar – verbunden mit unserer Amygdala) Gefahr, sind folgende Schutzreaktionen möglich

  • Bindungssuche
  • Kampf
  • Flucht
  • Freeze
  • Erstarren

Basierend auf dieser Eskalationspyramide gibt es dann typische Reaktionshandlungen, die wir gut bei uns selbst oder unseren Mitmenschen beobachten können. Lernen wir sie erkennen, hilft uns das, Bewusstsein in die eigenen Motive hinter einer Reaktion zu bringen. Verstehen wir das warum, erhalten wir mehr Raum, für neue Reaktionshandlungen, aber auch für Wohlwollen uns selbst und anderen gegenüber.

Üblichen Abwehrmechanismen und Stressreaktionen

Hier eine Übersicht über typische Stressreaktionen, die wir in jedem System (Familie, Gesellschaft, Gruppe) von aussen beobachten können.

Stressreaktionen im Nervensystem
Unser Nervensystem kennt drei Haupt-Zustände und einige Hypridzustände, um unser Überleben sicherzustellen


Aktivierung der Bindungssuche

Wir versuchen das Gegenüber zu erreichen durch:

  • Mitleid
  • Sorge (statt Fürsorge)
  • Helfersyndrom
  • Aktionismus
  • Einmischung
  • Kontrolle
  • Identifikation mit dem Leid (Verengung des Blickwinkels)

Fluchtreaktion

Wir versuchen vor der «Gefahr» zu fliehen, indem:

  • Alleinlassen / nichts damit zu tun haben wollen
  • Verleugnen / Bagatellisieren
  • Sich verstecken
  • Angst vor dem Kontakt / der Konfrontation
  • Vermeiden von Berührungspunkten

Kampfreaktion

Wir kämpfen gegen eine Bedrohung:

  • Aktivismus (Rettung& Hilfe aus einem dysregulierten Zustand heraus)
  • Feindbilder (Opfer-Täter Umkehr)
  • Abwertung
  • Ausgrenzung
  • Stigmatisierung
  • Vorurteile
  • Bitterkeit

Freeze Reaktion

Als Antworten auf die wahrgenommene Gefahr erstarren wir, was sich wie folgt ausdrücken kann:

  • Ohnmacht, Hilflosigkeit, Überforderung
  • Keine Worte dafür haben
  • Stummer Zeuge sein

Shutdown Reaktion

Wir sind so überfordert, dass wir in eine Art Totstellreflex fallen:

  • Dissoziation des Leids, Abspalten des Schmerzes
  • Emotionale Taubheit
  • Ausblenden
  • Sich fern fühlen, nichts damit zu tun haben

Schlussbemerkungen

Es ist wichtig, diese, zumeist unbewussten, Reaktionen auf eine wahrgenommene Bedrohung besser zu lesen lernen. Ohne Bewusstsein verstärken sie Traumadynamiken, verhindern bzw. erschweren diese automatisierenden Schutzreaktionen, Aufarbeitung und Heilung und führen zu Wiederholungen.

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Autorenkasten

Gertrud Angerer (Brustkrebsdiagnose 2019) begleitet seit 2021 Frauen nach Brustkrebs online mit traumasensibler, körperorientierter Arbeit zur Regulation ihres Nervensystems. Schwerpunkte: Rückfallangst, erhöhte Wachsamkeit bei neuen Symptomen, Stressfaktoren im Alltag, Grübeln und Schlafstörungen. Sie ist zertifizierte NI-Coach für Neurosystemische Integration® (2024), Traumasensible NeuroEmbodiment Coach NESC® (2023) sowie Co-Active Coach (CTI, 2005). Auf ihrem Blog schreibt sie darüber, wie sich Nervensystem-Fehlalarme und chronische Stressmuster im Körper besser verstehen lassen, wie unangenehme Gefühle regulierbarer werden und wie sich eigene Reaktionen Schritt für Schritt abmildern lassen – um den eigenen Körper nach Krebs spürbar zu entlasten.

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