geschätzte Lesezeit: 5 Minuten
„Ich dachte, ich überlebe diese Situation nicht.“ So beschreiben viele Frauen Panikattacken oder Angstepisoden, wenn sie mir davon erzählen. Panik fühlt sich eben nicht „ein bisschen unangenehm“ an, sie kann sich lebensbedrohlich anfühlen, und die Angst ist oft sehr, sehr überzeugend, da sie mit logisch scheinenden Argumenten spricht.
Ich selbst kenne sie vor allem in einer anderen Verkleidung: als Angst, abgelehnt zu werden, die sich weniger nach Angst anfühlt als nach Gefahr und einem riesigen schlechten Gewissen.
Die Sätze in diesem Artikel habe ich in der Arbeit mit meinen Klientinnen gesammelt und beim Verstehen, was in Gehirn und Nervensystem passiert, wenn unser Kopf und unser aktives Denken Unangenehmes und Unsicherheit mit Gefahr verwechseln: Der Körper schlägt Alarm, der Alarm treibt das Gedankenkarussell an, und das Karussell befeuert wieder den Körper.
Das sind keine Sprüche gegen Angst, die sie wegzaubern. Mit diesen Sätzen kannst du die Welle aussurfen, statt gegen sie anzuschwimmen.
Welche Sprüche gegen Angst helfen mitten in der Welle?
- Angst ist nicht dein Feind. Sie macht Lärm, und Lärm ist noch keine Gefahr.
- Nur weil die Angst gerade sehr laut ist, muss sie noch lange nicht entscheiden, was du tust.
- Es ist die Angst. Sag hallo zu ihr, glauben musst du ihr nicht alles, was sie dir erzählt.
- Nicht jeder Alarm heisst echte Gefahr. Dein Gehirn verwechselt Unsicherheit schnell mit Bedrohung, manchmal reicht dafür schon ein einzelner Gedanke.
- Deine Symptome sind kein Beweis, dass Gefahr besteht. Dein Körper reagiert auf das, was dein Kopf gerade ausmalt. Und wenn ein Symptom neu ist oder bleibt, lässt du es abklären. Das ist Fürsorge und kein Einknicken.
- Vieles ist unangenehm, aber nicht gefährlich. Nach allem, was war, hat dein Kopf verlernt, beides auseinanderzuhalten.
- Benenne deine Angst, statt sie zu analysieren. „Da ist Angst“ oder „it’s Theo“ reicht völlig.
- Erlaube die Angst. Du musst sie weder wegmachen noch abstellen.
- Schau die Symptome an wie Wetter: Herzklopfen, Enge und Schwindel ziehen auf und ziehen wieder weiter.
- Du bist okay, auch wenn du dich gerade nicht okay fühlst.
- Statt „Was, wenn es schlimmer wird?“ probier es mit „Ich habe schon Schwereres bewältigt“. So sammelst du Beweise dafür, dass du Unangenehmes meisterst. Dir selber vertrauen lernen.
- Du hast bis heute jeden Angstmoment überstanden. Auch diese Welle ebbt wieder ab.
- Du bist der Angst nicht hilflos ausgeliefert.
- Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. Nutz ihn, und sei es nur für einen Atemzug.
- Dein Kopf sucht Antworten, weil dein Nervensystem Beruhigung will. Nicht jede Frage braucht eine Lösung.
- Manche Gedanken brauchen keine Antwort, nur ein bisschen Abstand.
- Grübeln gibt dir nicht die Sicherheit, nach der du suchst. Verstehen und Analysieren ist noch lange nicht dasselbe wie Verändern.
- Hör hin, wie die Angst nach Garantien verlangt. Und übe, mit der Unsicherheit einfach da zu sein, nur für jetzt.

Und was hilft zwischen den Wellen?
- Sorgen sind manchmal der Versuch, Halt zu finden. Du darfst lernen, Unsicherheit auszuhalten und wieder zu vertrauen.
- Nicht alles, was ausserhalb deiner Kontrolle liegt, braucht einen Platz in deinem Kopf.
- Kontrolle gibt dir kurzfristig Sicherheit, hält dich aber klein.
- Manchmal kostet dich das Vermeiden mehr als das, wovor du Angst hast.
- Du musst nicht warten, bis die Angst weg ist, um trotzdem loszugehen.
- Schäm dich nicht für deine Angst vor Dingen, die für andere „doch gar nicht so schlimm“ sind.
- Manches fühlt sich nur beschämend an, weil du nie erlebt hast, dass jemand liebevoll damit umgeht. Dieser Jemand kannst ab jetzt du sein.
- Deine Grenzen gelten auch dann, wenn andere sie nicht verstehen.
- Deine Bedürfnisse dürfen genauso viel Platz einnehmen wie die der anderen.
- Nur weil du die Stimmung in einem Raum lesen kannst, ist sie noch nicht deine Verantwortung.
- Wenn du ehrlich über deine Gefühle sprichst, bist du nicht verantwortlich für die Gefühle der anderen.
- Du darfst Pausen machen, bevor du sie brauchst.
- Es ist kein Scheitern, wenn du heute weniger schaffst als gestern.
- Du darfst es dir leicht machen.
- Du kannst dir jeden Tag ein Stück mehr zur guten Begleiterin werden und dich gut genug finden, auch wenn du nicht perfekt funktionierst. Das darfst du dir schenken, auch wenn es dir bis heute niemand beigebracht hat.
- Die Angst wird vielleicht nie ganz verschwinden. Aber du lernst, mit ihr umzugehen, und das macht es leichter.
Viele meiner Klientinnen wünschen sich, dass endlich jemand kommt und ihnen genau sagt, was sie tun müssen, damit die Angst weggeht. Dass die Therapeutin den einen Satz findet und plötzlich alles leichter ist, oder dass der Partner sie ohne Worte versteht.
Kennst du das?
So funktioniert es leider nicht. Andere können dich begleiten und auffangen, den Weg gehen musst du am Ende selbst, und manches kann ein anderer Mensch schlicht nicht nachvollziehen, weil er anders ist oder es nie erlebt hat.
Das ist hart und gleichzeitig ziemlich tröstlich: Wenn niemand es für dich machen kann, hast du vielleicht mehr Einfluss, als du dir manchmal zutraust. Genau das üben wir in meiner Begleitung: lernen, dir selbst zu helfen. Wie fühlt sich dieser Satz für dich an? Eher befreiend, oder würdest du ihn am liebsten gleich wieder zurückgeben?
Die 5 F: Was hält deine Angst am Laufen? – FAQ
Du spannst dich an, sagst dir „hör auf“ und willst die Welle wegdrücken. Für dein Nervensystem ist das ein weiterer Kampf, und damit bestätigst du den Alarm. Versuch es mit einem langen Ausatmen und dem Satz „Da ist Angst“.
Du suchst die Übung oder den Trick, der sie auf der Stelle wegmacht. Wirkt er nicht, steigt der Druck noch mehr. Die Angst muss nicht repariert sein, damit du den nächsten kleinen Schritt machen kannst.
Du fürchtest das Herzklopfen, bevor es überhaupt da ist, und scannst ständig deinen Körper. Genau dieses Scannen hält den Alarm wach. Hilfreicher ist es, die Symptome wie Wetter anzuschauen, das aufzieht und weiterzieht.
Puls, Atem, das Ziehen in der Brust: Je genauer du hinschaust, desto lauter wird es. Lenk den Blick bewusst nach aussen. Was siehst du, was hörst du, was hältst du gerade in den Händen?
„Nicht schon wieder, ich weiss doch so viel darüber!“ Dieser Ärger ist Stress obendrauf und füttert die Welle. Rückschritte gehören dazu, auch nach Jahren.
Wenn die Angst deinen Alltag bestimmt, du Dinge meidest, die dir wichtig sind, oder nachts kaum mehr zur Ruhe kommst, hol dir kompetente Hilfe, zum Beispiel bei einem Traumasensiblen Coach oder einem Therapeuten. Neue oder anhaltende körperliche Symptome gehören zuerst zur Ärztin. Und wenn du herausfinden möchtest, ob meine Begleitung zu dir passt, buch dir ein Erstgespräch.