Trotz Stress mein Nervensystem regulieren – ergibt das Sinn?

trotz Stress mein Nervensystem regulieren

Kann ich trotz Stress mein Nervensystem regulieren? Wie oft höre ich, dass jemand zuerst weniger Stress haben müsse, bevor er / sie Zeit hat, zu spüren, was in seinem Körper gerade los ist. Ehrlich gesagt, glaubte ich das lange selber genauso.

In der Zwischenzeit rufe ich jedem, der es hören will zu: Egal, was Du gerade um die Ohren hast (oder gerade deswegen), nimm Dir Zeit, achtsam hinzuspüren. Dadurch erhält Dein Nervensystem neue Impulse und neue Fähigkeiten, Sicherheit im Leben ohne selbst und ständig zu empfinden.

Denn: Nichts in Deinem Leben läuft unabhängig von Deinem Betriebssystem, dem autonomen Nervensystem, ab – auch nicht Dein Stress. Der ist sozusagen in Dein Nervensystem hineinkodiert, falls Du regelmässig im Multitasking Hamsterrad zu Hause bist.

Nur wenn Du den Zustand von weniger Stress auch in Deinem Nervensystem verankern kannst, nur dann wirst Du überhaupt jemals den Punkt erreichen, an dem Du weniger Stress im Leben dauerhaft haben wirst.

Unsere Gesellschaft ist verkopft

In unsere Welt regiert der rationale Verstand. Kein Wunder lernen wir schon, als Kinder nicht ganz ernst zu nehmen, was wir spüren und empfinden. Dabei spalten wir unsere körperlichen Empfindungen immer mehr von dem, was wir im Kopf denken, ab. Diese Abspaltung (Dissoziation) von körperlichen Empfindungen wird über die Zeit, je öfters wir es praktizieren, im Nervensystem automatisiert.

Dieses Abspalten wird immer normaler und unbewusster, und führt schlussendlich zu einem Zustand des Disembodiment – des nicht in seinem Körper zu Hause Seins.

Frag Dich rasch selbst, wie viel von Deinem Körper Du im Alltag spürst. Ich spürte mich jahrzehntelang nur im Kopf. Alles unterhalb vom Hals spürte ich gar nicht und nahm es als nicht zu mir gehörig wahr. Mein Körper war im besten Fall mühsam, und ich normalerweise froh, wenn ich so wenig wie möglich von ihm spürte. Komplimente zu meinem Aussehen waren mir unangenehm, Gefühle machten mich nervös.

Erkennst Du Dich da ein wenig wieder?

trotz Stress mein Nervensystem regulieren
Trotz Stress kannst Du Dein Nervensystem regulieren lernen und dadurch mehr Ruhe und Gelassenheit in Deinen Alltag bringen lernen

Wenig Präsenz für das Fühlen im Hier und Jetzt

Dieses «Nicht im Körper zu Hause sein» hat tiefgreifende Folgen auf unser Sein. Die Folgen dieses Sich-selber-gar-nicht mehr Spürens sind in unserem Alltag allgegenwärtig.

Wie oft überraschen und stressbedingte Krankheiten «out of the blue» sozusagen. Ein Burnout bremst uns oft knallhart, obwohl wir im Kopf immer noch dachten, es ginge schon noch. Wer immer schon mal von seinem Körper ausgebremst wurde, weiss sicher, wovon ich spreche.

Aber sind wir wirklich von unserem Körper ausgebremst worden? Was, wenn unser Körper unser Freund wäre, der beste, den wir haben? Ohne bewusstes Verkörpern | Embodiment gibt es kein bewusstes Verkörpern eines inneren oder äusseren Zustands. In diesem Zustand ist es uns gar nicht mehr möglich, wirklich präsent in uns im Hier und Jetzt zu sein.

Nur wenn ich mich wirklich auch im Jetzt im Körper spüren kann, kann ich meinen Stress auch richtig wahrnehmen und auch mein Bedürfnis nach Pausen und Energieaufladen wichtig nehmen lernen. Zu wissen, dass Grenzen wichtig sind, ist nicht dasselbe als wirklich die eigenen Grenzen wirklich zu spüren und dementsprechend zu handeln – ohne schlechtes Gewissen.

Bewusst einen neuen Seinszustand verkörpern lernen

Ohne dass wir auch unsere Empfindungen im Körper wahrnehmen, verlieren wir nicht nur ein Gefühl für uns selber, weil wir uns nicht mehr richtig spüren. Die Folgen sind viel weitreichender als uns normalerweise bewusst ist. Ohne den Zugang zu unseren Gefühlen verlieren wir den Zugang zu unserer Intuition, unserer inneren Stimme. Aber nicht nur das.

Wir verkörpern bewusst oder unbewusst immer wieder den gleichen Seinszustand und erschaffen durch unsere Gedanken, Gefühle und Handlungen sozusagen in Dauerschleife die immer gleichen Situationen. Es nützt eben nicht, den Arbeitgeber, den Partner oder den Job zu wechseln, solange Du selber immer noch gleich denkst, fühlst und handelst.

Dein autonomes Nervensystem hat sich von klein auf entwickelt und sorgt sich um Dein Überleben. Jedes negative Lebensereignis, in dem Du Dich hilflos oder überfordert fühltest, speichert dieses System ab und bestimmt, ob Du Dich in einer Situation unbewusst bedroht fühlst. Diese gespeicherten Überforderungen führen oft zu einem Bruch mit dem eigenen authentischen Selbst, da es sicherer ist, nichts zu spüren oder zu kämpfen bzw. zu fliehen.

Embodiment von Ruhe und Gelassenheit

Ich jedenfalls blieb das selbst und ständig arbeitende Wesen, das ich auch ohne Selbstständigkeit schon gewesen war. Es fühlte sich viel sicherer an, alles selbst zu machen und vor allem viel, so gut als möglich zu machen. Meine Umgebung war mir viel zu wenig verlässlich, ich fürchtete unvorhersehbare Konflikte und verliess mich am liebsten auf mich selber.

Die Veränderung meines Stressmusters begann im Inneren – in dem ich mich ohne etwas zu tun oder zu leisten trotzdem sicher in mir und im Leben lernte zu fühlen. In kleinen Schritten begann ich Gefühle zuzulassen. Ich ging bewusst in meinen Körper und erlaubte es mir einfach zu Atmen, den Boden zu spüren und Sicherheitssignale in mir und im Umfeld wahrzunehmen, obwohl ich Angst hatte oder eine Lösung nicht schon kommen sah.

trotz Stress mein Nervensystem regulieren
Wenn Du beginnst zu spüren, dass Du durstig bist oder mal eine Pause brauchst, bist Du im Selbstheilungsprozess angekommen

In einem meiner früheren Blogposts erkläre ich Dir, warum in einem dysregulierten Zustand, Vorsätze immer wieder scheitern.

Dein autonomes Nervensystem lässt Dich über Gefühle im Körper wissen, ob es entspannt oder im Flight/Fight oder Freeze Modus operiert. Erst durch das bewusste Hinspüren, was Dein Körper für Geschichten erzählt, kannst Du bewusst lernen auch Gelassenheit und Ruhe wirklich zu verkörpern und nicht nur zu wollen.

Wir verkörpern bewusst oder unbewusst unser derzeitiges Stressniveau und erzeugen unser IST-Leben sozusagen in Dauerschleife durch das, was wir fühlen, denken und tun. Daher ist es wirklich enorm wichtig, dass wir bewusst etwas NEUES verkörpern lernen, das uns unterstützt, tiefgreifend anders zu denken, zu fühlen und schlussendlich zu handeln.

Embodied Self oder einen neuen Seinszustand erlernen

Das, was Du Dir wünscht, ist zwar überhaupt nicht unrealistisch, aber Du musst Dein unbewusstes, automatische «SoSein-Programm» wahrnehmen und mit neuen, besseren Mustern füttern lernen.

Durch Spüren, Erlauben, Integrieren und Nähren von neuen Gefühlen während der Embodiment Arbeit mit dem Nervensystem, verankern wir eine Veränderung auf allen Ebenen unseres Seins – auch im Körpers und dessen neuromuskulären Mustern.

Alle Dinge, die Du bewusst oder unbewusst (im Autopilot) wiederholst, sind eine Praxis. Letztlich praktizierst Du immer etwas im Leben. Bei den meisten Menschen geschieht dies implizit (unbewusst) durch das autonome Nervensystem.

Dein Muster, viel & gleichzeitig zu tun und auf das Leben immer mit Aufgaben, Verantwortung und Multitasking zu reagieren, hat aus Sicht des Nervensystems, Dein Überleben gesichert. Heute ist dieses Muster vielleicht nicht mehr angemessen oder hilfreich – nur weiss das Dein autonomes Nervensystem noch nicht.

Der Weg aus den eigenen unbewussten Mustern – die eigentlich nur unser Überleben sichern wollen – benötigt bewusste Momente, in denen Du innehältst und nach innen spürst, was Du gerade verkörperst.

Selbstheilung ist kein Voodoo, aber Arbeit

Es braucht Mut, nach innen zu spüren trotz all den Dingen, die Du unbedingt gerade erledigen oder lösen solltest. Aber nur dieses aufmerksame Nach-Innen-Spüren, hilft Dir, Ruhe und Gelassenheit spüren zu lernen, auch wenn gerade viel im Aussen, Dein Feuerwehr spielen triggern könnte.

Ich musste 50 werden, um endlich mein «Do-It-All-and-Perfect» zu verändern. Ich lernte trotz Stress mein Nervensystem regulieren. Ich weiss noch genau, wie sehr mein Kopf rebellierte, als ich aufgefordert wurde hinzuspüren, wie es mir geht.

Ich übte, einfach zu atmen, wenn ich Probleme spürte. Ich lernte, Hilfe zu wollen und auch anzunehmen. Mein autonomes Nervensystem musste lernen, dass Pausen im Leben sicher sind. Es lernte, dass ich gute Lösungen auch ohne meine sofortiges, aktives Feuerlöschen finde. Mein Nervensystem lernte, Grenzen über meinen Körper als Hilfsmittel zu spüren und zu respektieren. Es lernte, Zeit im Leben zu haben.

Also, falls Du gerade denkst, dass Du zuerst weniger Stress haben solltest, bevor Du Dich aufs Spüren und Erlauben während einer Embodiment Session einlässt: THINK AGAIN – ich meine das aus tiefstem Herzen.

Hier noch ein Podcast Tipp, um mehr über die Verbindung Körper & Geist zu hören. Britta Kimpel, meine NeuroEmbodied SoulCentering Ausbildungsleiterin, erzählt hier mehr zu den Grundlagen der Embodiment Arbeit.

Hinterlasse hier gerne Deinen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Hallo!

Die Lösung ist in Dir

Das Leben will nicht Perfektion, sondern Wachstum. Für mich gibt es zwei Situationen im Leben: die zum Lernen und die zum Feiern. Das Leben ist ein Strom an Wohlbefinden – wenn wir uns darauf einlassen.

Meine Blog Favoriten

So gelingt Dir eine Veränderung im Alltag, hin zu mehr Gelassenheit und Leichtigkeit im Alltag.

Warum eine Morgenroutine nicht ein weiteres To Do auf deiner Liste ist, sondern gut tut.

Das Premordial Sound Mantra ist eine Ur-Schwingung, die in Dir ein Erinnern an Dich selbst anstimmt.

Hol Dir mein kostenloses Booklet!

Dankbarkeit im Alltag

6 einfache Ideen für das Glück im Jetzt

Stilbild Achtsamkeit

Anleitungsvideos Sofort zum Anschauen!

Drück Pause bei Angst

Anleitungen für einfache Übungen im Alltag.

Weiterlesen

Persönlich

Mein Embodiment Glossar

Gertrud Angerer Meditation

Klick Dich durch meinen Blog...

Cookie Consent mit Real Cookie Banner