Embodiment Coaching Glossar – die wichtigsten Begriffe aus dem Embodiment erklärt

Embodiment Coaching Glossar

Ich bin keine Wissenschaftlerin, aber ein Kopfmensch, der über verschlungene Wege den Zugang zur Körperarbeit und Embodiment Coaching gefunden hat. Hier erkläre ich Dir Begriffe aus meiner Arbeit mit dem Nervensystem so umgangssprachlich wie möglich – damit Du diese Fachbegriffe einordnen kannst, die ich in meinem Coaching und meinen Kursen verwende.

Viele Jahre war ich selber der absolute Verstandesmensch und nur in meinem Kopf zu Hause. Ich versuchte nur, mit meinem klaren Denken und dem Verstand meine Herausforderungen zu lösen. Nie hatte ich das Gefühl, dass mein Körper ein Puzzleteilchen in meiner Selbstentwicklung sein könnte.

In der Zwischenzeit weiss ich, dass mein Körper eine Abkürzung – ja sogar mein Weg – zu einem erfüllten Sein ist, in dem ich entspannt und mit einem Lächeln die Herausforderungen des Lebens meistern kann. Mithilfe meines Körpers habe ich Zugang zu meiner Intuition und meinem Wesenskern und kann erspüren, was mir guttut – egal, was im aussen von mir erwartet wird.

In meinem Embodiment Coaching Glossar erkläre ich Dir Fachbegriffe aus dem Embodiment und der Arbeit mit dem Nervensystem, auf die Du bei mir immer wieder triffst. Sie zu verstehen, erleichtert es Dir, meine Arbeit zu verstehen und selber darin einzutauchen.

Aufsteigendes Retikuläres Aktivierungssystem (ARAS oder RAS)

Diese Nervenbündel Struktur im Gehirn – oder besser diese Gruppe von Nervenbündel Strukturen im Gehirn – übernimmt eine Filterfunktion bei der Verarbeitung von Eindrücken, damit wir von den bis zu 2 Milliarden gleichzeitig eintreffender Sinneseindrücke pro Sekunde nicht überflutet werden. Unser RAS entscheidet a) welche Eindrücke ausgeblendet werden und b) welche Eindrücke unser Bewusstsein erreichen. Diese Entscheidung basiert dabei auf dem, was wir ohnehin schon glauben. Indem es unsere Glaubenssätze bestätigt, hält es uns in Sicherheit.

„Du siehst die Welt nicht wie sie ist, sondern Du siehst, wie Du bist“ – dieses Zitat von Mooji beschreibt die Arbeit des RAS, das uns hilft, unsere Überzeugungen zu bestätigen und das auszublenden, was nicht zu unseren Glaubenssätzen passt. Von den 2 Milliarden Eindrücken pro Sekunde stossen 0.0000000005% in unser Bewusstsein vor und 99.99999995% werden quasi ausgeblendet.

Wir erschaffen unsere Realität mit dem, worauf wir uns fokussieren. Auch wenn unser RAS ein automatisierter Prozess ist, können wir doch jede Sekunde entscheiden, unseren Fokus zu verlagern und einen anderen Seinszustand einzunehmen. Unser RAS liefert dann andere Informationen in unser Bewusstsein.

Coaching

Ursprünglich war der Coach der ‹‹Wagenlenker›› – diese Bedeutung hat er auch im übertragenen Sinn heute noch.

Im meisten Coaching Methoden gehen davon aus, dass all unsere Handlungen und damit auch die unerwünschten Ergebnisse darauf basieren, was wir denken. Es geht davon aus, dass ein Ereignis einen Gedanken auslöst, dieser das entsprechende Gefühl erzeugt, das dann wiederum eine Handlung und damit ein Ergebnis formt.

Das klassische Coaching fokussiert auf unseren Verstand und unser Denken, um damit unsere Verhaltensweisen zu steuern. Dabei wird der Fokus oft auf unsere Willenskraft und willentliche Kontrolle (Mindset Arbeit) gesetzt, um eine Veränderung zu bewirken.

Dorsaler Ast des Vagusnervs (dorsal-vagal)

Das Immobilisierungssystem des Parasympathikus entspricht dem dorsalen Ast des Vagusnervs. Dieses System ist entwicklungsgeschichtlich der älteste Teil des Nervensystems und ist verantwortlich für den Totstellreflex bzw. unsere Erstarrung-Reaktion bzw. Freeze-Reaktion.

Bei Aktivierung des dorsalen Vagusnervs kommt es oft zu einem regelrechten Shutdown des Systems, wenn wir überfordert sind. Wir können uns betäubt fühlen oder regelrecht „neben uns stehen“, in diesem Seinszustand wird die Sauerstoff- und Blutzufuhr gedrosselt, weshalb unsere kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt sind.

Dieser Teil des Parasympathikus ist wie der ventrale Ast für Entschleunigung und Pause verantwortlich – aber aus unterschiedlichen Motiven. Beide fahren unser System herunter – das eine um Kontakte zu knüpfen, da in Sicherheit, das andere (dorsale), um einer Gefahr auszuweichen.

Embodiment

Übersetzt auf Deutsch bedeutet dieses Wort Verkörperung bzw. Inkarnation. Dieses Wort hat zwei Erklärungsstränge:

  • Bezeichnet den Akt, einen bestimmten Seinszustand zu verkörpern und die zum entsprechenden Seinszustand passenden Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen oder Gewohnheiten durch individuelle Körperhaltung und neuromuskuläre Muster zu übernehmen und im Unterbewusstsein abzuspeichern.
  • Beschreibt die automatische, unbewusste Aktivierung von gewohnten Handlungsabläufen, die im eigenen neuromuskulären System gespeichert, also embodied sind
Embodiment Coaching Glossar
Embodiment Coaching Glossar als Nachschlagewerk für Begriffe in meiner Arbeit mit dem Nervensystem

Embodiment Session

Dies ist eine Gelegenheit, das eigene autonome Nervensystem aus chronischen Flucht / Kampf bzw. Erstarrungszuständen hin zu Entspannung und innerer Sicherheit zu begleiten. Unser System, aber auch unser Körper erinnert Erlebnisse und Gefühle – oft unter unserer Bewusstseinsschwelle -, die nicht die Gelegenheit hatten, verarbeitet, verdaut, neu geordnet oder losgelassen zu werden. Eine Embodiment Session schafft Raum für das Nervensystem, damit es sich beruhigen, entspannen und schliesslich von einem Ort des persönlichen Rhythmus aus funktionieren kann, ohne Angst, sondern in einem tiefen Gefühl von innerer Sicherheit.

Energiearbeit

Alles im Universum ist Energie. Auch Materie ist nichts anderes als verdichtete Energie. Alles im Universum existiert also einfach in unterschiedlichen «Aggregatzustände» von Energie. Stell Dir also jede Form, jede Erscheinung, jeden Konflikt und jedes Problem als Ausdrucksform ein und derselben Energie in unterschiedlichen Zuständen vor. Eine bestimmte Energie kann ausserdem nur in einem bestimmten Milieu / Umfeld existieren – so wie Wasser nur bei bestimmten Temperaturen gasförmig bleibt.

Der Zustand, in dem etwas existiert, bezeichnen wir auch als Seins- oder Bewusstseinszustand. Es ist das Energiefeld, das uns umgibt und das definiert, welche Aggregatzustände von Energie überhaupt möglich sind. Da wir unser Energiefeld mitnehmen, erleben wir so oft, dass wir ähnliche Situationen erleben. Vielleicht sind andere Personen | Orte involviert, das Grundthema bleibt aber ähnlich.

Unser Energiefeld entspricht mehr oder weniger dem Zustand unseres Nervensystems, das über elektrische und chemische Vorgänge ein elektromagnetisches Feld aufbaut, das sich auch noch 3 m vom Mensch entfernt messen lässt. Energiearbeit verändert den Seinszustand einer Person und damit auch des Umfelds.

Epigenetik

Der Begriff „Epigenetik“ setzt sich aus den Wörtern Genetik und Epigenese zusammen und bezeichnet die Entwicklung eines Lebewesens. Die Epigenetik beschäftigt sich mit dem Einfluss der Umwelt auf die Genaktivität. Dabei werden sowohl die Einflussfaktoren als auch die beteiligten Mechanismen untersucht. Sie bestimmt mit, unter welchen Umständen welches Gen abgelesen wird und wann es wieder stumm geschaltet wird. Diese Vorgänge finden ohne die Veränderung der genetischen Informationen im Erbgut (Mutationen ) statt.

Grundtonus des Nervensystem (siehe auch Vagustonus)

Die Grundspannung Deines derzeitigen Nervensystems – also wie angespannt / entspannt Du Dich gerade und im Normalzustand fühlst. Vielleicht ist Dir schon aufgefallen, dass Du in Situationen mit einem aktivierten Sympathikus, Dich anders verhaltest, andere Gedanken denkst und fühlst, als wenn Dein Nervensystem entspannt ist. Das erklärt, warum wir in ein und derselben Situation vollkommen unterschiedlich (re-)agieren können oder wieso Menschen eine und dieselbe Situation unterschiedlich wahrnehmen.

Alle Sinnesreize einer Situation (das, was wir hören, sehen, fühlen, riechen und schmecken) treffen zuerst im Nervensystem ein und wird dort unserem Grundzustand entsprechend «eingefärbt». Diese Färbung beeinflusst dann wiederum alle Gedanken und Gefühle und ist dafür verantwortlich, wie wir handeln.

Integrieren und Nähren

Integrieren ist der dritte Schritt im SEIN-Modell und es geht nicht um auflösen im Sinne von beseitigen. Der Fokus liegt darauf, Frieden / Vollkommenheit zu finden, in dem alles zu einem Ganzen vereint wird. Es geht nicht darum, etwas aufzulösen oder zu beseitigen, sondern es zu einem Ganzen zu vereinen. Der Schlüssel liegt darin, eine neue Perspektive einzunehmen, um das, was vielleicht abgelehnt wurde, mit neuen Augen zu betrachten.

Nähren hilft den Zustand des integrierten Seins (ein Individuum fühlt sich sicher und mit anderen und dem Universum verbunden) im Nervensystem bewusst aufrechtzuerhalten. Dabei spielt es eine grosse Rolle, Gefühle nicht zu unterdrücken, sondern diese mithilfe des SEIN-Modell immer wieder zu integrieren. Die tägliche Praxis zielt darauf ab, alte unterdrückte Anteile langsam Raum zu geben und diese am Ende zu einem Ganzen zu integrieren (jedes Problem hat uns am Ende vorangebracht – ich nenne es den Goldstaub | die Perle in einer Situation zu suchen und zu finden)

Integriertes Selbst

Dieser Begriff in NESC beschreibt eine Person, die sämtliche Facetten ihrer Persönlichkeit und ihres Lebens liebevoll annimmt und die Vollkommenheit des eigenen Seins erlebt und erkennt. Um mit dem SEIN-Modell innerhalb NESC zum integrierten Selbst zu werden, tauchen wir im Coaching tief in die Strukturen des Nervensystems ein und verändern dort auf neuronaler Ebene den Seinszustand, sodass bedingungslose Selbstliebe und das liebevolle Annehmen aller Lebensfacetten möglich werden.

Mindfulness Coaching

Achtsamkeit-Coaching ist ein Prozess, der Menschen beibringt, achtsam – also bewusst – mit ihren Gedanken und Gefühlen umzugehen. Es hilft den Klienten, sich ihrer Gedanken, Emotionen und Handlungen im Moment bewusst zu werden.

In Achtsamkeit lernen wir, vom Tun-Modus in den Sein-Modus zu wechseln. Der „Doing Modus“ ist typischerweise geprägt von Geschichten, Denken, Vergangenheit- oder Zukunftsorientierung, Autopilot und Reaktionen oder Impulsen. Der „Being-Modus“ hingegen beinhaltet das Einlassen auf das Hier und Jetzt ohne zu Urteilen und ohne Absicht, um Zugang zu den eigenen Impulsen und Heilungsprozessen zu erhalten.

Nervensystem (autonomes)

Unter diesem Begriff wird die Gesamtheit allen Nervengewebes des Menschen zusammengefasst. Seine wichtigsten Aufgaben sind das Erfassen, Verarbeiten, Weiterleiten und Speichern von Informationen. Zusammen mit dem Hormonsystem steuert das Nervensystem alle Organsysteme, mit dem Ziel den Gesamtorganismus an die Anforderungen der Aussenwelt anzupassen und auf Situationen zu reagieren.

Unser autonomes Nervensystem reguliert unseren Herzrhythmus, unsere Körpertemperatur und unsere mentalen Funktionen (unsere Reaktionen und Impulse, was wir denken, unsere Gewohnheiten). Das autonome Nervensystem ist unser persönliches Beobachtungssystem und scannt permanent die innere und äussere Umgebung nach Zeichen von Sicherheit, Gefahr oder Lebensgefahr. Dies findet unterhalb unserer Wahrnehmungsschwelle und ausserhalb der Kontrolle unseres Bewusstseins statt – das heisst, wir merken es nicht & können es dann oft nicht einordnen. Unser Nervensystem reagiert schneller, als wir denken.

Das autonome Nervensystem gliedert sich auf in Sympathikus und Parasympathikus.

Neurowissenschaft

Das Forschungsfeld der Neurowissenschaften ist die Rolle von Nervensystemen jeder Art beim gesamten Vollzug der ­Lebensvorgänge von biologischen Organismen. Neurowissenschaft ist eine komplexe Wissenschaftsdisziplin, die alle Untersuchungen über die Struktur und Funktion von Nervensystemen zusammenfasst und integrativ interpretiert. 

Untersucht werden die Eigenheiten und die Auswirkungen der Vernetzung dieser Zellen zu neuronalen Netzwerken in komplexen Nervensystemen. Die Neurowissenschaft hilft zu verstehen, wie unsere von den Sinnesorganen aufgenommenen Reize die Aktivität und die Vernetzung im neuronalen Netzwerk in unserem Gehirn verändern und damit auch das Verhalten eines Organismus (z. B. des Menschen) beeinflussen.

NeuroEmbodiment

Bei dieser von Britta Kimpel entwickelten Embodiment Technik geht es darum, Dich statt mit dem Kopf in Deinen Körper zu denken, über Deinen Körper selbst – und zwar über das Nervensystem – in die Verkörperung Deines authentischen Selbst einzutauchen. Das aktuelle Wissen aus Hirnforschung und Neurowissenschaft besagt, dass der Zustand Deines Nervensystems entscheidet, wie Du als Person im Alltag denkst, fühlst und handelst.

Diese Methode wurde von Britta Kimpel entwickelt und fokussiert auf die „bottom-up“ Prozesse des Nervensystems und deren Einfluss auf das Gehirn. NeuroEmbodiment fokussiert auf den Körper und allen unwillkürlichen, unbewussten Prozesse. Es hilft bei der Wahrnehmung, was im Körper und im Seinszustand passiert und wie diese Empfindungen dann unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen.

NESC – NeuroEmbodied Soul Centering Coaching

Das NESC Coaching Modell erweitert das traditionelle Coaching Modell um den Faktor Körper und um den Faktor Nervensystem. Dabei kommt dem Seinszustand ein besonderes Augenmerk zu. Diese Coaching Methode setzt darauf an, den Seinszustand einer Person zu shiften, sodass automatisch neue Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen entstehen können. Dabei muss nicht an einem Mindset oder neuen Verhaltensweisen gearbeitet werden.

Dieses Coaching Methode basiert auf dem sogenannten SEIN-Modell des integrierten Selbst und beschreibt den Prozess, der notwendig ist, um das Nervensystem zu regulieren und einen veränderten Seinszustand einer Person zu verankern.

Neurozeption

Der Begriff „Neurozeption“ wurde von S. Porges geprägt und beschreibt, wie unbewusste Wahrnehmungsprozesse (neuronale Schaltkreise) uns helfen einzuschätzen, ob Situationen oder Menschen sicher, gefährlich oder lebensbedrohlich sind. Dieser Prozess, der von Stephen W. Porges Neurozeption genannt wurde, liefert ständig Informationen an unser Gehirn (unseren Verstand) und findet immer statt, ohne vom Verstand beeinflusst werden zu können.

Das heisst, der Körper kann ein Warnsignal wahrnehmen und darauf reagieren, obwohl der Verstand sich in Sicherheit glaubt. Auf Verstandesebene kann eine Person behaupten, dass alles in Ordnung ist und trotzdem kann der Körper eine ganz andere Wahrheit erzählen. Evolutionsbedingt überschreibt der Körper immer den Verstand, da dieses unbewussten Gefahren-Scanning uns am Leben erhalten hat.

Das Nervensystem reagiert nicht nur auf Signale aus der Umgebung (Exterozeption), sondern auch auf Signale aus dem Körper (Interozeption).

Neuroplastizität

Darunter versteht man die Fähigkeit des Gehirns, sich in Aufbau und in seiner Funktionalität so zu verändern, dass es optimal auf neue äussere Einflüsse und Anforderungen reagieren kann. Dabei werden beispielsweise neue Verbindungen zwischen einzelnen Nervenzellen (Synapsen) gebildet.

Parasympatikus

Er ist auch unser Immobilisierungssystem und entwicklungsgeschichtlich der älteste Teil unseres Nervensystems. Ohne die Polyvagaltheorie ist der Parasympatikus jener Teil des Nervensystems, der für Ruhe und Entspannung verantwortlich ist. Er ist als „rest and digest“ (ruhen und verdauen) System bekannt. Der Parasympathikus ist aktiv, wenn sich eine Person sicher und geborgen fühlt. Er reduziert den Herzschlag und Atemfrequenz, senkt den Blutdruck, verbessert die Konzentration, entspannt die Muskeln und unser Immunsystem arbeitet optimal.

Dieses System ist wie der Sympathikus Teil unseres evolutionärem Überlebensprogramms und lässt sich nicht bewusst oder mit logischem Denken steuern.

Nach Porgus findet man im parasympathischen System über den Vagusnerv, der sich ventral und dorsal verzweigt, zwei Reaktionsweisen: Der ventrale Pfad steht in Verbindung mit Sicherheit und sozialer Verbundenheit. Der dorsale Teil reagiert dagegen auf Signale, die extreme Gefahr bedeuten. Er versetzt uns in einen Zustand der Erstarrung oder Betäubung.

Polyvagaltheorie nach Porgus

Die Polyvagal Theorie wurde von Stephen W. Porges in den 90er Jahren entwickelt und beschreibt die Funktionsweise des autonomen Nervensystems auf eine neue Art und Weise. Porges ist nach unzähligen Beobachtungen und Studien neuraler Abläufe überzeugt, dass der Parasympathikus in einen ventralen und einen dorsalen Vagusnerv-Ast zweigeteilt ist, die beide unterschiedliche Aufgaben erfüllen.


Die Reaktionsweisen des autonomen Nervensystems haben sich im Laufe der Evolution entwickelt. Der dorsale Pfad des parasympathischen Systems mit der Immobilisierung-Reaktion entwickelte sich zuerst, dann entstand der sympathische Zweig des autonomen Nervensystem mit der Kampf- oder Fluchtreaktion und nur bei Säugetieren gibt es den neuesten der drei Pfade, den ventralen Vaguspfad des Parasympathikus, der uns das Gefühl von Sicherheit gibt und damit die Möglichkeit zur sozialen Verbundenheit.

Regulation des Nervensystems

Mit dem Verstand kann keine parasympathische Aktivität oder Entspannung im autonomen Nervensystem erreicht werden. Alle Tools, die versuchen das eigene Denken zu verändern, scheitern oft am Gefahrenprogramm des eigenen Körpers (siehe auch Neurozeption). Bei der Regulation des eigenen Nervensystems geht es darum, mehr Flexibilität im Umgang mit Stressoren und Triggern zu erlangen. Damit lässt sich zwar nicht immer verhindern, dass der Körper in Alarmbereitschaft geht, aber das eigene System kann schneller wieder entspannen und herunterfahren und die parasympathische Arbeit wieder aufnehmen.

Bei Menschen mit einem deregulierten Nervensystem führen bereits kleinere Auslöser (Trigger) zum Lösen der Vagusbremse und damit zu Erhöhung des Herzschlags und zum Auslösen der Reaktionen. Es fällt schwer, eine Balance zu finden & man schwankt zwischen Untererregung & Übererregung.
All dies findet statt, ohne dass unser bewusster Verstand eingreifen kann. Die Symptome sind Ausdruck eines Nervensystems, welches sich zu regulieren versucht. Eine starke vagale Bremse hilft Veränderungen leichter zu vollziehen und ermöglicht eine grösseres Toleranzfenster gegenüber Stress.

Resilienz

Dieser Begriff bezeichnet auch Belastbarkeit oder psychische Widerstandsfähigkeit und ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Es leitet sich von lateinisch resilire «zurückspringen» «abprallen» ab.

Die sieben Säulen der Resilienz ist eines von vielen Resilienzmodellen zum besseren Verständnis, wie wir unsere innere Widerstandskraft gegen Stress stärken und ausbauen können. Denn Resilienz ist die Fähigkeit, gelassener auf Stress auslösende Reize zu reagieren.

SEIN-Modell des integrierten Selbst

SEIN steht für Spüren, Erlauben, Integrieren und Nähren. Diese 4 Schritte legen im NESC die Grundlage für ein integriertes Selbst. Das SEIN-Modell baut auf den 5 Prinzipien von NESC auf und integriert das Nervensystem und den Seinszustand in ein Coaching mit ein. Es ist ein zyklisches Phasenmodell, das beschreibt, wie eine Person jede Phase des SEINs bei jeder Krise oder Herausforderung wieder und wieder durchläuft und dabei wie bei einer Spirale trotzdem nie am gleichen Punkt ankommt. Mit jeder «Runde» wächst die Person, entwickelt sich weiter und bewegt sich mehr und mehr zu ihrem wahren (integrierten) Selbst hin.

Ein integriertes Selbst ist eine Person, die sämtliche Facetten ihrer Persönlichkeit liebevoll annimmt und damit die Vollkommenheit des eigenen Seins erlebt und anerkennt.

Selbstheilung

Durch die Arbeit mit dem eigenen Nervensystem basierend auf den Methoden entwickelt in NESC, aber auch anderen Techniken, die helfen, das eigene Nervensystem zu regulieren (Atemübungen, Kältebad, Meditation) tauchen wir in die Struktur des Nervensystems ein, verändern dort auf neuronaler Ebene den Seinszustand, sodass bedingungslose Selbstliebe und das liebevolle Annehmen aller Persönlichkeitsfacetten möglich werden.

Spüren und Erlauben

Spüren legt den Fokus auf die Wahrnehmung der eigenen Innenwelt und sämtlicher körperlichen Empfindungen und aktiviert den Parasympatikus. Es geht darum zu spüren, welche Reaktionen im Körper und im Nervensystem bei einem bestimmten Thema / Gedanken stattfinden. Es wird diesen Empfindungen einfach nur Raum gegeben.

Erlauben ist die zweite Phase des SEIN-Modell. Darin geht es um das bedingungslose Annehmen dessen, was im Körper und als Emotionen spürbar ist. Ziel ist es, die eigene Fähigkeit, spüren zu können – und auch unangenehme Empfindungen im Körper auszuhalten, auszudehnen. Diese verbesserte Fähigkeit unangenehme Empfindungen auszuhalten ist eine wichtige Eigenschaft von Resilienz.

Sympathikus

Er wird auch als Mobilisierungssystem in unserem Nervensystem bezeichnet. Er ist entwicklungsgeschichtlich älter als das parasympathische System des ventrale Vagusnervs. Er entstand um Lebewesen in Gefahrensituationen Mobilität und die Möglichkeit einer Handlung (Kampf- oder Fluchtreaktion) statt Totstellreflex zu geben. Seine Aktivität reduziert die Aktivität des ventralen Vagusnervs, da wir uns statt auf Verbindung auf Kampf oder Flucht konzentrieren.

Das Mobilisierungssystem des Sympathikus ergänzt den Parasympathikus und arbeitet mit dem ventralen Vaguspfad zusammen an der Herzfrequenz und der Atmung. Er unterstützt aber auch mit dem dorsalen Vaguspfad die Verdauung. Er wird aktiviert, wenn unser Leben nicht mehr ganz so cool bzw. sicher ist. Es zeigt sich vielleicht in einem Gefühl der Irritation oder Frustration, das sich zu Ärger steigern oder zu Wut hochkochen lässt. All diese Reaktionen des Nervensystems laufen automatisiert ab, das heisst können rein körperlicher ablaufen, ohne, dass wir unseren Verstand mitnehmen müssen.

Vagale Bremse

Wenn unsere Neurozeption aus dem Umfeld und aus dem Inneren des Körpers Signale von Sicherheit empfängt, hält das ventrale Vagussystem unser Herz mithilfe der Vagusbremse unter Kontrolle. Das Herz schlägt dabei arrhythmisch ca. 72 Schläge pro Minute. Nimmt die Neurozeption Gefahr wahr, dann löst sich die Bremse, das Herz schlägt schneller und wir gehen in den Kampf- oder Fluchtmodus des sympathischen Nervensystems oder in den Erstarrung-Modus des dorsalen Vagussystem über. Fühlen wir uns wieder sicher, kehrt die Bremse zurück.

Die Vagusbremse ermöglicht unserem System, flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Das Lösen der Vagusbremse stellt uns mehr Energie zu Verfügung, das „treten“ der Bremse bringt uns zurück in den sicheren Modus und unser System für soziale Verbundenheit kann wirken.

Vagusnerv

Der Vagusnerv ist der grösste Nervenstrang in unserem Körper. Er hat einen ventralen (Bauchseitigen) und einen dorsalen (Rücken-) Ast. E verbindet unseren Körper mit dem Gehirn. Über den Vagusnerv sind sprichwörtlich das Herz mit dem Körper und unserem Geist verbunden. Interessanterweise gehen sogar mehr Informationen aus dem Herzen & dem Körper zum Gehirn als umgekehrt, d.h. über den Körper können wir den Zustand unseres Geistes beeinflussen.

Vagustonus

In einem gesunden Seinszustand ist unser ventral-vagaler Ast aktiv. Wir aktivieren unseren Sympathikus mit seinem urgeschichtlichen «Kampf-Flucht-Modus», wenn innere und/oder äussere Reize eine Gefahrensituation signalisieren. Gibt es nun (scheinbar) keine Lösung, übernimmt der Parasympathikus wieder, aber nun sein «dorsaler» Zweig. Dieser Teil des Vagusnervs fährt jetzt unsere Körperfunktionen komplett herunter. Daher fühlt sich der Organismus wie tot an, er erstarrt, der Blutdruck fällt ab, Schwindel und ein verlangsamter Puls stellt sich ein.

Unser Vagus kann stark oder schwach ausgeprägt sein, dabei spricht man von «Vagustonus». Ist unser Vagus stark ausgeprägt und der Vagustonus damit hoch, kann sich der Körper nach Stress gut erholen. Ein hoher Vagustonus geht mit einem erhöhten Serotonin und Dopaminspiegel einher – und mit besseren zwischenmenschlichen Beziehungen. Ein schwacher Vagustonus wird erhöhter Entzündung und Krankheitsanfälligkeit in Verbindung gebracht.

Ventraler Ast des Vagusnervs (ventral-vagal)

Dies ist unser soziales Kontaktsystem und entwicklungsgeschichtlich gesehen unser jüngster Teil des autonomen Nervensystems. Wenn wir entspannt, ruhig, uns sicher sind, ist unser ventraler (Bauchseitig, vorderer) Ast des Vagusnervs aktiv. Er sorgt dafür, dass zwischenmenschliche Beziehungen in den Fokus rücken. Er aktiviert unsere Fähigkeit, uns und andere zu beruhigen, zuzuhören, flexibel auf die Umgebung zu reagieren und er ermöglicht uns, grosszügig zu sein.

Nur wenn dieser Ast des Parasympathikus aktiviert ist, können wir Gefühlsregungen wie Mitgefühl und Empathie zeigen und haben Zugang zu Vorfreude, Lebenslust, Interesse und Leidenschaft. Dieser Teil des Vagusnerv integriert die 5 Hirnnerven, die die Gesichtsmuskulatur steuern und bringt somit unser Herz mit unserem Gesicht (Gesichtsausdruck) in Verbindung. Dieser Ast aktiviert auch unseren präfrontalen Cortex, was uns ermöglicht fokussierter und konzentrierter zu sein und ist daher eine Voraussetzung für unser logisches und rationales Denken.

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2 Antworten

    1. Zu lernen, wie wir unsere ventrale Verankerung (also uns wieder verbunden und sicher zu fühlen) wieder finden können, ist so zentral, um das eigene Hamsterrad oder Sorgenkarussell zu verlassen. Auch mir halfen Visualisierungen und Gedankenreisen meinen Körper als Freund und nicht als Feind wahrzunehmen und meine Angst vor ihm und dem Krebs zu verlieren.

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